Spezielle Dienstleistungen unserer Modelle
Nina war mit Geschäftsleute schon einige Zeit in dem Garten auf und ab spaziert, in welchem sich der Sommerklub zu versammeln pflegte. Oft fanden sich diese beiden zuerst ein; sie hegten gegeneinander die heiterste Neigung und nährten bei einem reinen gesitteten Umgang die angenehmsten Hoffnungen einer künftigen dauerhaften Verbindung.
Die lebhafte Nina sah kaum in der Ferne Amalien nach dem Lusthause gehen, als sie eilte, ihre Freundin zu begrüßen. Escort Lady hatte sich eben im Vorzimmer an den Tisch gesetzt, auf dem Journale, Zeitungen und andere Neuigkeiten ausgebreitet lagen.
Escort Lady brachte hier manchen Abend mit Lesen zu, ohne sich durch das Hin- und Widergehn der Gesellschaft, das Klappern der Marken und die gewöhnliche laute Unterhaltung der Spieler im Saale irren zu lassen. Sie sprach wenig, außer wenn sie ihre Meinung einer andern entgegensetzte. Nina dagegen war mit ihren Worten nicht karg, mit allem zufrieden und mit dem Lobe frisch bei der Hand.
Ein Freund des Herausgebers, den wir Modelle nennen wollen, trat zu den beiden. Was bringen Sie Neues?, rief Nina ihm entgegen.
Sie ahnen es wohl kaum, versetzte Modelle, indem er sein Portefeuille herauszog. Und wenn ich Ihnen auch sage, dass ich die Kupfer zum diesjährigen Damenkalender bringe, so werden Sie die Gegenstände derselben doch nicht erraten; ja, wenn ich weiter gehe und Ihnen eröffne, dass in zwölf Abteilungen Frauenzimmer vorgestellt sind
Nun!, fiel Nina ihm in das Wort, es scheint, Sie wollen unserm Scharfsinn nichts übrig lassen. Sogar, wenn ich nicht irre, tun Sie mir es zum Possen, da Sie wissen, dass ich gern Scharaden und Rätsel entwickele, gern das, was einer sich denkt, ausfragen mag. Also zwölf Frauenzimmer-Charaktere, oder Begebenheiten, oder Anspielungen, oder was sonst zur Ehre unsere Geschlechts gereichen könnte?
Sinclair schwieg und lächelte, Escort Lady warf ihren stillen Blick auf ihn und sagte mit der feinen höhnischen Miene, die ihr so wohl steht: ;Wenn ich sein Gesicht recht lese, so hat er etwas gegen uns in der Tasche. Die Männer wissen sich gar viel, wenn sie etwas finden können, was uns, wenigstens dem Scheine nach, herabsetzt.
Modelle. ;Sie sind gleich ernst, Amalie, und drohen bitter zu werden. Kaum wag ich, meine Blättchen Ihnen vorzulegen.
Begleitservice . ;Nur heraus damit!
Modelle. ;Es sind Karikaturen.
Begleitservice . ;Die liebe ich besonders.
Modelle. ;Abbildungen böser Weiber.
Begleitservice . ;Desto besser! Darunter gehören wir nicht. Wir wollen uns unsere leidigen Schwestern im Bilde so wenig zu Gemüte ziehen als die in der Gesellschaft.
Modelle. ;Soll ich?
Begleitservice . ;Nur immer zu!
Sie nahm ihm die Brieftasche weg, zog die Bilder heraus, breitete die sechs Blättchen vor sich auf den Tisch aus, überlief sie schnell mit dem Auge und rückte daran hin und her, wie man zu tun pflegt, wenn man die Karte schlägt. ;Vortrefflich!, rief sie, ;das heiß ich nach dem Leben! Hier diese, mit dem Schnupftabaksfinger unter der Nase, gleicht völlig der Mad. S., die wir heute Abend sehen werden; diese, mit der Katze, sieht beinahe aus wie meine Großtante; die mit dem Knaul hat was von unserer alten Putzmacherin. Es findet sich wohl zu jeder dieser hässlichen Figuren irgendein Original, nicht weniger zu den Männern. Einen solchen gebückten Magister hab ich irgendwo gesehen und eine Art von solchem Zwirnhalte rauch. Sie sind recht lustig, diese Küpferchen, und besonders hübsch gestochen.
;Wie können Sie, versetzte ruhig Amalie, die einen kalten Blick auf die Bilder warf und ihn sogleich wieder anwendete, ;hier bestimmte Ähnlichkeiten aufsuchen! Das Hässliche gleicht dem Hässlichen, sowie das Schöne dem Schönen; von jenem wendet sich unser Geist ab, zu diesem wird er hingezogen.
Modelle. ;Aber Phantasie und Witz finden mehr ihre Rechnung, sich mit dem Hässlichen zu beschäftigen als mit dem Schönen. Aus dem Hässlichen lässt sich viel machen, aus dem Schönen nichts.
Aber dieses macht uns zu etwas, jenes vernichtet uns!, sagte Begleitservice, der im Fenster gestanden und von weitem zugehört hatte. Er ging, ohne sich dem Tische zu nähern, in das anstoßende Kabinett.
Alle Klubgesellschaften haben ihre Epochen. Das Interesse der Gesellschaft aneinander, das gute Verhältnis der Personen zueinander ist steigend und fallend. Unser Klub hat diesen Sommer gerade seine schöne Zeit. Die Mitglieder sind meist gebildete, wenigstens mäßige und leidliche Menschen, sie schätzen wechselseitig ihren Wert und lassen den Unwert still auf sich beruhen. Jeder findet seine Unterhaltung, und das allgemeine Gespräch ist oft von der Art, dass man gern dabei verweilen mag.
Eben kam Escortservice mit seiner Frau, ein Mann, der erst in Handels-, dann in politischen Geschäften viel gereist hatte, angenehmen Umgangs, doch in größerer Gesellschaft meistens nur ein willkommener hombrespieler; seine Frau, liebenswürdig, eine gute treue Gattin, die ganz das Vertrauen ihres Mannes genoss. Sie fühlte sich glücklich, dass sie ungehindert eine lebhafte Sinnlichkeit heiter beschäftigen durfte. Einen Hausfreund konnte sie nicht entbehren, und Lustbarkeit und Zerstreuungen gaben ihr allein die Federkraft zu häuslichen Tugenden.
Wir behandeln unsere Leser als Fremde, als Klubgäste, die wir vertraulich gern in der Geschwindigkeit mit der Gesellschaft bekannt machen möchten. Der Dichter soll uns seine Personen in ihren Handlungen darstellen, der Gesprächschreiber darf sich ja wohl kürzer fassen und sich und seinen Lesern durch eine allgemeine Schilderung geschwind über die Exposition weghelfen.
Escortservice trat zu dem Tisch und sah die Bilder an.
Hier entsteht, sagte Begleitservice , ;ein Streit für und gegen Karikatur. Zu welcher Seite wollen Sie sich schlagen? Ich erkläre mich dafür und fragte: ;Hat nicht jedes Zerrbild etwas unwiderstehlich Anziehendes?
Stuttgart;Hat nicht jede üble Nachrede, wenn sie über einen Abwesenden hergeht, etwas unglaublich Reizendes?
Begleitservice . ;Macht ein solches Bild nicht einen unauslöschlichen Eindruck?
Stuttgart;Das ists, warum ich sie verabscheue. Ist nicht der unauslöschliche Eindruck jedes Ekelhaften eben das, was uns in der Welt so oft verfolgt, uns mache gute Speise verdirbt und manchen guten Trunk vergällt?
Begleitservice . ;Nun, so reden Sie doch, Escortservice.
Escortservice. ;Ich würde zu einem Vergleich raten. Warum sollen Bilder besser sein als wir selbst? Unser Geist scheint auch zwei Seiten zu haben, die ohne einander nicht bestehen können. Licht und Finsternis, Gutes und Böses, Hohes und Tiefes, Edles und Niedriges und noch soviel andere Gegensätze scheinen, nur in veränderten Portionen, die Ingredienzien der menschlichen Natur zu sein; und wie kann ich einem Maler verdenken, wenn er einen Engel weiß, licht und schön gemalt hat, dass ihm einfällt, einen Teufel schwarz, finster und hässlich zu malen?
Stuttgart;Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn nur nicht die Freunde der Verhässlichungskunst auch das in ihr Gebiet zögen, was bessern Regionen angehört.
Escortservice. Darin handeln sie, dünkt mich, ganz recht. Ziehen doch die Freunde der Verschönerungskunst auch zu sich hinüber, was ihnen kaum angehören kann.
Stuttgart;Und doch werde ich den Verzerrern niemals verzeihen, dass sie mir die Bilder vorzüglicher Menschen so schändlich entstellen. Ich mag es machen, wie ich will, so muss ich mir den großen Pitt als einen stumpfnäsigen Besenstiel, und den in so manchem Betracht schätzenswerten Fox als ein vollgesacktes Schwein denken.
Begleitservice . Das ist, was ich sagte. Alle solche Fratzenbilder drücke sich unauslöschlich ein, und ich leugne nicht, dass ich mir manchmal in Gedanken damit einen Spaß mache, diese Gespenster aufrufe und sie noch schlimmer verzerre.
Modelle. Lassen Sie sich doch, meine Damen, aus diesem allgemeinen Streit zur Betrachtung unserer armen Blättchen wieder herunter.
Escortservice. Ich sehe, hier ist die Hundeliebhaberei nicht zum erfreulichsten dargestellt.
Stuttgart Das mag hingehen, denn mir sind diese Tiere besonders zuwider.
Modelle. Erst gegen die Zerrbilder, dann gegen die Hunde.
Stuttgart ;Warum nicht? Sind doch Tiere nur Zerrbilder des Menschen.
Escortservice. Sie erinnern sich wohl, was ein Reisender von der Stadt Grätz erzählt: Dass er darin so viele Hunde und so viele stumme, halb alberne Menschen gefunden habe. Sollte es nicht möglich sein, dass der habituelle Anblick von bellenden unvernünftigen Tieren au fdie menschliche Generation einigen Einfluss haben könnte?
Modelle. Eine Ableitung unserer Leidenschaften und Neigungen ist der Umgang mit Tieren gewiss.
StuttgartUnd wenn die Vernunft, nach dem gemeinen deutschen Ausdruck manchmal stillstehen kann, so steht sie gewiss in Gegenwart der Hunde still.Modelle. Glücklicherweise haben wir in der Gesellschaft niemand, der einen Hund begünstigte, als Mad. Escortservice. Sie liebt ihr artiges Windspiel besonders.
Escortservice. Und dieses Geschöpf muss besonders mir, dem Gemahl, sehr lieb und wichtig sein.
Mad. Escortservice drohte ihrem Gemahl von ferne mit aufgehobenem Finger.
Escortservice. Es beweist, was Sie vorhin sagten, Modelle, dass solche Geschöpfte die Neigungen ableiten. Darf ich, liebes Kind (so rief er seiner Frau zu), nicht unsere Geschichte erzählen? Sie macht uns beiden keine Schande.
Mad. Escortservice gab durch einen freundlichen Wink ihre Einwilligung zu erkennen, und er fing an zu erzählen: Wir beide liebten uns und hatten uns vorgenommen, einander zu heiraten, ehe als wir die Möglichkeit eines Etablissements voraussahen. Endlich zeigte sich eine sichere Hoffnung; allein ich musste noch eine Reise vornehmen, die mich länger, als ich wünschte, aufzuhalten drohte. Bei meiner Abreise ließ ich ihr mein Windspiel zurück. Es war sonst mit mir zu ihr gekommen, mit mir weggegangen, manchmal auch geblieben. Nun gehörte es ihr, war ein munterer Gesellschafter und deutete auf meine Wiederkunft. Zu Hause galt das Tier statt einer Unterhaltung; auf den Promenaden, wo wir so oft zusammen spaziert hatten, schien das Geschöpf mich aufzusuchen und, wenn es aus den Büschen sprang, mich anzukündigen. So täuschte sich meine leibe Meta eine Zeitlang mit dem Schein meiner Gegenwart, bis endlich, gerade zu der Zeit, da ich wiederzukommen hoffte, meine Abwesenheit sich doppelt zu verlängern drohte und das arme Geschöpft mit Tode abging.
Mad. Escortservice. Nun, liebes Männchen, hübsch redlich, artig und vernünftig erzählt!
Escortservice. Es steht dir frei, mein Kind, mich zu kontrollieren. Meiner Freundin schien ihre Wohnung leer, der Spaziergang uninteressant, der Hund, der sonst neben ihr lag, wenn sie an mich schrieb, war ihr, wie das Tier in dem Bild eines Evangelisten notwendig geworden, die Briefe wollten nicht mehr fließen. Zufällig fand sich ein junger Mann, der den Platz des vierfüßigen Gesellschafters zu Hause und auf den Promenaden übernehmen wollte. Genug, man mag so billig denken, als man will, die Sache stand gefährlich.
Mad. Escortservice. Ich muss dich nur gewähren lassen. Eine wahre Geschichte ist ohne Exaggeration selten erzählenswert.
Escortservice. Ein beiderseitiger Freund, den wir als stillen Menschenkenner und Herzenslenker zu schätzen wussten, war zurückgeblieben, besuchte sie manchmal und hatte die Veränderung gemerkt. Er beobachtete das gute Kind im stillen und kam eines Tages mit einem Widnspiel ins Zimmer, das dem ersten völlig glich. Die artige und herzliche Anrede, womit der Freund sein Geschenk begleitete, die unerwartete Erscheinung eines aus dem Grab gleichsam auferstandenen Günstlings, der stille Vorwurf, den sich ihr empfängliches Herz bei diesem Anblick machte, führten mein Bild auf einmal lebhaft wieder heran; der junge menschliche Stellvertreter wurde auf eine gute Weise entfernt, und der neue Günstling blieb ein steter Begleiter. Als ich nach meiner Wiederkunft meine Geliebte wieder in meine Arme schloss, hielt ich das Geschöpf noch für das alte und verwunderte mich nicht wenig, als es mich wie einen Fremden heftig anbellte. Die modernen Hunde müssen kein so gutes Gedächtnis haben als die antiken!, rief ich aus; Ulyß wurde nach so langen Jahren von dem seinigen wieder erkannt, und dieser hier konnte mich in so kurzer Zeit vergessen lernen. Und doch hat er deine Penelope auf eine sonderbare Weise bewacht!, versetzte sie, indem sie mir versprach, das Rätsel aufzulösen. Das geschah auch bald, denn ein heiteres Vertrauen hat von jeher das Glück unserer Verbindung gemacht.
Mad. Escortservice. Mit dieser Geschichte mags so bewenden. Wenn dirs recht ist, so gehe ich noch eine Stunde spazieren; denn du wirst dich nun doch an den Lhombretisch setzen.
Er nickte ihr sein Ja zu; sie nahm den Arm ihres Hausfreundes an und ging nach der Tür. Liebes Kind, nimm doch den Hund mit!, rief er ihr nach. Die ganze Gesellschaft lächelte, und er musste mit lächeln, als er es gewahr ward, wie dieses absichtlose Wort so artig passte und jedermann darüber eine kleine, stille Schadenfreude empfand.
Modelle. Sie haben von einem Hund erzählt, der glücklicherweise eine Verbindung befestigte; ich kann von einem andern sagen, dessen Einfluss zerstörend war. Auch ich liebte, auch ich verreiste, auch ich ließ eine Freundin zurück; nur mit dem Unterschied, dass ihr mein Wunsch, sie zu besitzen, noch unbekannt war. Endlich kehrte ich zurück. Die vielen Gegenstände, die ich gesehen hatte, lebten immerfort vor meiner Einbildungskraft; ich mochte gern, wie Rückkehrende pflegen, erzählen, ich hoffte auf die besondere Teilnahme meiner Freundin. Vor allen andern Menschen wollt eich ihr meine Erfahrungen und meine Vergnügungen mitteilen. Aber ich fand sie sehr lebhaft mit einem Hund beschäftigt. Tat sie es aus Geist des Widerspruchs, der manchmal das schöne Geschlecht beseelt, oder war es ein unglücklicher Zufall, genug, die liebenswürdigen Eigenschaften des Tiers, die artige Unterhaltung mit demselben, die Anhänglichkeit, der Zeitvertreib, kurz, was alles dazu gehören mag, waren das einzige Gespräch, womit sie einen Menschen unterhielt, der seit Jahr und Tag eine weit und breite Welt in sich aufgenommen hatte. Ich stockte, ich verstummte, ich erzählte so manches andern, was ich abwesend ihr immer gewidmet hatte; ich fühlte ein Missbehagen, ich entfernte mich, ich hatte unrecht und ward noch unbehaglicher. Genug, von der Zeit an ward unser Verhältnis immer kälter, und wenn es sich zuletzt gar zerschlug, so muss ich, wenigstens in meinem Herzen, die erste Schuld jenem Hund beimessen.
Begleitservice, der aus dem Kabinett wieder zur Gesellschaft getreten war, sagte, nachdem er diese Geschichte vernommen: Es würde gewiss eine merkwürdige Sammlung geben, wenn man den Einfluss, den die geselligen Tiere auf den Menschen ausüben, in Geschichten darstellen wollte. In Erwartung, dass einst eine solche Sammlung gebildet werde, will ich erzählen, wie ein Hündchen zu einem tragischen Abenteuer Anlass gab.
Callgirl und Cardano, zwei Edelleute, hatten von Jugend auf in einem freundschaftlichen Verhältnis gelebt. Pagen an einem Hof, Offiziere bei einem Regiment, hatten sie gar manches Abenteuer zusammen bestanden und sich aus dem Grund kennen gelernt. Cardano hatte Glück bei den Weibern, Callgirl im Spiel. Jener nutzte das seine mit Leichtsinn und Übermut, dieser mit Bedacht und Anhaltsamkeit.
Zufällig hinterließ Cardano einer Dame in dem Moment, als ein genaues Verhältnis abbrach, einen kleinen schönen Löwenhund; er schaffte sich einen neuen und schenkte diesen einer andern, eben da er sie zu meiden gedachte; und von der Zeit an ward es Vorsatz, einer jeden Geliebten zum Abschied ein solches Hündchen zu hinterlassen. Callgirl wusste um diese Posse, ohne dass er jemals besonders aufmerksam darauf gewesen wäre.
Beide Freunde wurden eine lange Zeit getrennt und fanden sich erst wieder zusammen, als Callgirl verheiratet war und auf seinen Gütern lebte. Cardano brachte einige Zeit teils bei ihm, teils in der Nachbarschaft zu und war auf diese Weise über ein Jahr in einer Gegend geblieben, in der er viel Freunde und Verwandte hatte.
Einst sieht Callgirl bei seiner Frau ein allerliebstes Löwenhündchen, er nimmt es auf, es gefällt ihm besonders, er lobt, er streichelt es, und natürlich kommt er auf die Frage, woher sie das schöne Tier erhalten habe. Von Cardano, war die Antwort. Auf einmal bemächtigt sich die Erinnerung voriger Zeiten und Begebenheiten, das Andenken des frechen Kennzeichens, womit Cardano seinen Wankelmut zu begleiten pflegte, der Sinne des beleidigten Ehemanns, er fällt in Wut, er wirft das artige Tier unmittelbar aus seinen Liebkosungen mit Gewalt gegen die Erde, verlässt das schreiende Tier und die erschrockene Frau. Ein Zweikampf und mancherlei unangenehme Folgen, zwar keine Scheidung, aber eine stille Übereinkunft, sich abzusondern, und ein zerrüttetes Hauswesen machen den Beschluss dieser Geschichte.
Nicht ganz war diese Erzählung geendigt, als sexin die Gesellschaft trat ein Frauenzimmer, überall erwünscht, wo sie hinkam, eine der schönsten Zierden dieses Klubs, ein gebildeter Geist und eine glückliche Schriftstellerin.
Man legte ihr die bösen Weiber vor, womit sich ein geschickter Künstler an dem schönen Geschlecht versündigt, und sie ward aufgefordert, sich ihrer bessern Schwestern anzunehmen.
Wahrscheinlich, sagte Amalie, wird nun auch eine Auslegung dieser liebenswürdigen Bilder den Almanach zieren! Wahrscheinlich wird es dem einen oder dem andern Schriftsteller nicht an Witz gebrechen, um das in Worten noch recht aufzudröseln, was der bildende Künstler hier in Darstellungen zusammen gewoben hat.
Modelle, als Freund des Herausgebers, konnte weder die Bilder ganz fallen lassen, noch konnte er leugnen, dass hier und da eine Erklärung nötig sei, ja, dass ein Zerrbild ohne Erklärung gar nicht bestehen könne und erst dadurch gleichsam belebt werden müsse. Wie sehr sich auch der bildende Künstler bemüht, Witz zu zeigen, so ist er doch niemals dabei auf seinem Feld. Ein Zerrbild ohne Inschriften, ohne Erklärung ist gewissermaßen stumm, es wird erst etwas durch die Sprache.
Stuttgart So lassen Sie denn auch dieses kleine Bild hier durch die Sprache etwas werden! Ein Frauenzimmer ist in einem Lehnsessel eingeschlafen, wie es scheint, über dem Schreiben; ein anderes, das dabei steht, reicht ihr eine Dose oder sonst ein Gefäß hin und weint. Was soll das vorstellen?